Ohne Chemie gehts scheinbar nicht

Ahr und Mosel – Teil 1

Die zweite kleine Tour mit meinem Hymer S700 sollte in die Ahrregion, ins Moseltal und vielleicht noch in Richtung Saarbrücken führen. Vollgetankt mit Diesel, Benzin (für den Generator – man weiß ja nie) und Nudeln, Konserven und Resten aus dem Kühlschrank fuhren wir zum ersten Ziel: Bad Neuenahr-Ahrweiler. Wieder über die Promobil-Stellplatz App hatten wir uns als ersten Stellplatz den Hof des Weingutes Sonnenberg im Stadtteil Bad Neuenahr ausgesucht. Hier gibt es Stellplätze auf Wiese oder Schotter für ca. 5 Wohnmobile. Trotz der stark befahrenen Strasse vor dem Weingut, war es hinter dem Haus relativ ruhig. Der Stellplatz kostet 10 € inkl. Strom und Wasser. Entsorgungsmöglichkeiten gibt es allerdings nicht. Die Betreiber sind freundlich, unkompliziert und unaufdringlich.

Stellplatz Weingut Sonnenberg
Stellplatz Weingut Sonnenberg

Stellplatz Weingut Sonnenberg

 

Erste Panne

Ich befinde mich ja immer noch in der Testfahrtphase. Längst sind noch nicht alle Funktionen lange Zeit getestet und bisher gab es ja auch erwartungsgemäß bereits den ein oder anderen Ausfall. Am dramatischsten war der Verlust der Bremsflüssigkeit, der Backofen hat schon gestreikt, die Heizung ist in einer unentschlossenen Phase und von diversem Kleinkram rede ich gar nicht. Nun, heute war es dann die Flüssiggasanlage (Festtank), die sich partout weigerte, den Kühlschrank (und auch sonst nichts) mit Gas zu versorgen. Bis dato lief das einwandfrei. Alles Hin- und Hergeschalte half nichts. Ich gab auf und schaltete auf die 11kg Gasflasche um, die ich ja auch noch mitführe. Das funktionierte klaglos.

(bei späteren Versuchen zuhause, fand ich an den Armaturen des Festgastankbehälters ein Ventil, dass man durch Ziehen kurz öffnen kann. Nach dem ich dort eine kleine Menge Gas habe entweichen lassen, funktionierte auch auch der Gasbetrieb über den Festtank wieder. Also, geht doch!)

 

Bad Neuenahr- Ahrweiler

Das Wetter war schwül-warm und immer wieder gab es kräftige Regengüsse. Dennoch sind wir in die wenige Fußminuten entfernte Einkaufsmeile von Bad Neuenahr gewandert. Hier konnten wir allerdings nicht viel Spannendes außer Kurpark und Spielcasino entdecken. Beides haben wir nur von Außen betrachtet.

Wieder am Weingutstellplatz angekommen, haben wir beim Winzer zwei Flaschen Wein erstanden. Mit diesem und einem Dosensüppchen haben wir den Abend gemütlich im Wohnmobil verbracht. Außer unserem Hymer hat sich kein weiteres Wohnmobil mehr eingefunden.

Nach dem Frühstück sind wir zu Fuß zum nahe gelegenen Bahnhof gegangen um mit dem Zug zwei Stationen weiter in den anderen Stadtteil Ahrweiler zu gelangen. Bei strahlendem Sonnenschein und um die 28 Grad Wärme haben wir die hübschen Sträßchen und Gassen des Ortes durchschlendert, Häuschen, Türme und Tore bewundert und viele der dort angebrachten Infotafeln studiert. Eine große Tüte frische Kirschen vom Markt und ein kühles Getränk in einem der etlichen Straßencafés gab’s als Wegzehrung.

Ahrweiler
Ahrweiler
Ahrweiler
Ahrweiler

Mosel südwärts

Um Mittag fuhren wir mit dem Zug zurück zum Womo und machten uns auf in Richtung Mosel. Die Fahrt führte über Bad Breisig am Rhein an Koblenz vorbei zur Mosel. Dort folgten wir der Mosel auf der B416 in gemächlichem Tempo. Die Touristenhochburgen, wie z.B. Cochem, wollten wir bewusst nur bei der Durchfahrt bewundern. Für einen Halt hofften wir auf einen netten Parkplatz am Straßen- und Uferrand in kleineren Dörfchen. Es war aber einfach viel zu viel Verkehr und für mich kamen passende Parklücken zu plötzlich, als dass ich dort ad hoc die 7,20 Meter Wohnmobil hätte reinsetzen können. 

Ohne Chemie gehts scheinbar nicht
Ohne Chemie geht’s scheinbar nicht

Eigentlich hatten wir uns für den Abend schon einen Stellplatz herausgesucht. Unterwegs wurde aber erstens klar, dass es jede Menge kleinere und grössere Stellplätze am Moselufer gab, sodaß wirklich keine Panik angesagt war, nichts mehr zu bekommen. Zu Zweiten stellte sich heraus, dass der anvisierte Stellplatz noch viel zu weit entfernt war. Ich wär müde vom Laufen am Morgen und von der Hitze, die sich während der Fahrt doch arg staut in dem Hymer.

 

Zweitagesstop in Enkirch

Bei der Ortschaft Enkirch sahen wir schon aus der Entfernung einen riesige Stellplatz auf einer Wiese direkt am Moselufer. Die Womos standen dort nicht in Reih und Glied und Tür an Tür, sondern locker verteilt über die sehr große Wiese mit sehr großzügigen Abständen zueinander. Das gefiel uns und so steuerten wir diesen ungewöhnlichen Stellplatz in Enkirch für ca. 200 Wohnmobile an. Die Platzgebühren betrugen 7,00 € plus 0,50 € für Strom (Automat an der Stromsäule). Am Ende des Platzes gibt es anständige* Ver- und Entsorgungmöglichkeit. Es gibt Schattenplätze, kleine Plätze in leichter Hanglage und eben die großzügigen Plätze auf der Wiese. Dort mit etwas Glück direkt an der Mosel. Der Platzwart ist aktiv, fröhlich, freundlich und immer ansprechbar. Nachmittags fährt ein Eiswagen durch die Reihen und morgens der Brötchenbus.  In wenigen Fußminuten ist eine öffentliche Toilette mit Duschen erreichbar, so wie ein Getränkeshop mit Kiosk. Im Dorf gibt es einen Bäcker (Mittwochs geschlossen – wir waren natürlich Mittwochs da), einen Metzger, einen Tante Emma-Laden, in dem ich den örtlichen Wein erstanden habe, eine Pizzeria und sogar einen Bioladen, in dem ich dann Brot kaufen konnte.

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Enkirch

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Enkirch 49.985642, 7.119656 Enkirch an der Mosel

Stellplatz Enkirch
Stellplatz Enkirch

Der Bezwinger der TV-Technik

An diesem Abend habe ich dann versucht, die eigentlich analoge SAT-Anlage zum Laufen zu bringen. Den analogen Receiver und den LNB hatte ich durch digitale ersetzt. Der alte Röhrenfernseher ist einem 22″ LCD-TV gewichen, den ich auch vorher im Klappwohnwagen und VW-Bus dabei hatte. Der passte perfekt in den Technikschrank. Von der alten SAT-Anlage sind noch die OYSTER-Schüssel mit Motor und das Motorsteuerungsgerät am bzw. im Womo verblieben. Jetzt galt es, mit Hilfe eines kleinen SAT-Finders zwischen Coaxkabel und Receiver die Schüssel über die Pfeiltasten der Motorsteuerung manuell auszurichten. Eigentlich ganz einfach, denn es gab ja reichlich andere Wohnmobilisten, an deren Antennenstellung man sich orientieren konnte, aber irgendwie bekamen wir überhaupt keinen Empfang. Wir wollten schon aufgeben, als uns beim erneuten Betrachten der Schüsselstellung auffiel, dass der LNB-Arm sich nicht auf der richtigen horizontalen Position befand, sondern sozusagen noch in der Schüssel steckte. Zum Glück hatte ich mit dem Womo auch einen Stockschirm mit langer Spitze geerbt. Mit diesem konnte ich von der Tür aus so gerade zum LNB-Arm reichen und diesen herunterdrücken. Tja und siehe da, ruck zuck war Bild und Ton da und wir konnten die abendlichen Regengüsse mit Fernsehen ignorieren. Erst zum Ende unserer dritte Tour ist mir aufgegangen, warum der Arm nicht mehr von selbst herunterkommt: Der alte analoge LNB war aus Metall und ziemlich schwer. Der neue hingegen ist natürlich aus Kunststoff und wiegt kaum etwas. Deshalb „fällt“ der Arm beim Ausfahren der Schüssel nicht mehr herunter bzw. bleibt nicht unten, wie er eigentlich sollte. Ich werde also bei Gelegenheit den Arm mit ein paar Bleigewichten beschweren. Bis dahin geht’s mit dem Schirm, auch wenn das sehr unprofessionell aussieht. Aber das macht nichts. Das manuelle Ausrichten der Schüssel ist ja vermutlich aus der Sicht mancher auch primitiv.

Fernsehen
Bild und Ton. Geschafft! Ordentlich verkabelt wird später.

Am nächsten Morgen wurden wir durch die Glocke des Brötchenservices in Form eines VW-Busses geweckt. Wir waren aber nicht schnell genug auf, um welche zu ergattern. Aber wir haben aus den Bewertungen zu Stellplätze in der Promobil-App gelernt, dass der Brötchenservice auf einem Stellplatz gaaanz gaaanz wichtig ist. Vorher wusste ich nicht, dass es so etwas überhaupt gibt.

Brötchenservice

Keine frischen Brötchen, kein Problem. Wir hatten Aufbackbrötchen an Bord und einen Backofen. Letzterer ist ja eigentlich eine Microwellen/Backofenkombination und als solche hat das Gerät auf meiner Tour in die Teufelsschlucht auch gleich beim ersten Einsatz den Geist aufgegeben. Damals wieder zuhause angekommen, ging sonderbarerweise zumindest der Backofen wieder. Das reicht auch. Der wird dermaßen schnell warm, da braucht man keine Microwelle. Irgendwann werde ich das Gerät aber dennoch mal ausbauen und nachsehen (lassen), was das Problem ist. Ich bin auch nicht so sicher, ob es eine gute Idee ist, den Backofen für längere Zeit (z.B. für einen Auflauf) zu betreiben, denn zumindest das Ablagefach darüber wird schon sehr warm und die Außenwand vermutlich auch. Auch etwas, dass ich mal checken muss. 

Ach ja, da ich gerade beim Thema Ausfallerscheinungen bin, ist zu berichten, dass am Morgen die Toilettenspülung ihren Dienst eingestellt hatte. Das Wasser lief zwar, aber nicht mehr in die Toilette, sondern in das Gehäuse, in das die Kassette eingebaut ist. Das heisst im Endeffekt, es lief in den Unterbau des Wohnmobils. Fortan wurde nicht mehr mit der Toilettenspülung gespült, sondern nur noch mit der Dusche. Geht auch. Zum Abend weigerte sich dann noch, der Wasserhahn im Waschbecken Wasser zu liefern. Aber auch da kann man sich mit der Dusche behelfen. Ursachenforschung steht noch aus.

An diesem Morgen kam auch der neu erworbene „Toaster“ zum Einsatz. Das ist ein aufklappbarer Aufsatz für die Gaskochplatte. Man kann vier Scheiben Brot oder vier Brötchen rösten.

Toaster
Toaster

Das Gerät funktioniert wirklich einwandfrei. Man muss natürlich dabei bleiben und das Brot mal wenden und aufpassen, dass es nicht verbrennt, aber das passiert bei Weitem nicht so schnell, wie ich befürchtet habe. Der Toaster ist leicht zu reinigen und lässt sich nach Gebrauch und Abkühlung wieder ganz flach zusammenklappen und platzsparend verstauen. Prima!

 

Da das Wetter (Regen, Regen, Regen) nicht zum Weiterfahren einlud und uns der Stellplatz in Enkirch gut gefiel, beschlossen wir, auf dem Platz zu bleiben, einen gemütlichen Tag im Womo zu verbringen und erst am nächsten Morgen weiter moselabwärts zu fahren. Gesagt, getan. So wurde endlich auch einmal die Büroecke eingeweiht und „ernsthaft“ gearbeitet (leider kein Foto vorhanden).

Hier geht’s weiter mit Teil 2 von Ahr und Mosel

 

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*mit „anständig“ meine ich, nach unseren späteren Erfahrungen, Folgendes:

  • ohne grossartiges Rangieren anfahrbar
  • getrennte Entsorgung für Kassettentoilette und Grauwasser
  • Großzügiger und in angenehmer Stehhöhe angebrachter Trichter/Einlass für die Kassettenentsorgung
  • Spülschlauch/Abzug bei der Entsorgungsstation für die Kassette
  • kostenlos und nicht zeit- oder mengenbegrenzt

 

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